
Etwa 80 Interessierte fanden sich im Tagungshaus Mariahilf zusammen, hoch über dem Inn in Passau gelegen, um sich über Bibelgärten auszutauschen. Gekommen waren sie von der Nord- und Ostseeküste, vom Rhein und aus dem Erzgebirge. Dabei waren erstmalig und erfreulicherweise auch Gärtner aus der Schweiz (Gossau) und Österreich (Salzburg, Bad Goisern, Tragwein).

Die Tagung wurde am Freitagabend durch eine ausführliche
Begrüßungs- und Vorstellungsrunde der Teilnehmenden
eröffnet, die wegen Verspätungen im Zugverkehr und
schwierigen Straßenverhältnissen teilweise erst nach
und
nach eintrudelten.
Ein Bibelgarten stellte sich in Bild und Vortrag vor: Maria
Strickerschmidt erläuterte das theologische Konzept des
Bibelgarten in Werlte (Emsland/ Niedersachsen) mit seinem
Schöpfungs-, Wüsten-, Acker- und Paradiesviertel und
seiner
besonderen Zahlensymbolik.
Nach dem Abendessen wurde für die Tagungsteilnehmer im Hof des
Tagungshauses auf der "Seebühne" eine Bibelpantomime
aufgeführt. Der Theologe und Schauspieler Benedikt Anzeneder
spielte, begleitet von Posaunenchören, die
Schöpfungsgeschichte, die Stilllung des Sturmes, die Heilung
einer
gelähmten Frau und eine Kreuzabnahme-Szene. Das Publikum wurde
zeitweilig zu Arbeiten im Weinberg herangezogen und
übernahm
pantomimisch das Umgraben, Hacken und Rebenschneiden. Ein Gewitter
wartete respektvoll bis die Vorführung beendet war.

Am Samstag begann die Tagung nach der Andacht mit einem Fachreferat von Prof. Dr. Karl Knobloch (Institut für Botanik und Pharmazeutische Biologie, Gründer des Aromagartens in Erlangen) zu "Biblischer Nahrung". Er stellte wichtige Pflanzen wie Weizen, Ölbaum, Dattelpalme und Feige, die teilweise erstmalig im Fruchtbaren Halbmond kultiviert wurden, botanisch und kulturgeschichtlich vor. Eindrücklich war z.B. die Erläuterung der Feigenfrucht als "krugförmig ausgebildete, fleischig verdickte Blütenstands-Achsen, auf denen sich zahlreiche kleine, weibliche und männliche Steinfrüchte zu einem Verband angeordnet haben". Früher krabbelten Gallwespen in das Innere der Frucht, wodurch die Blüte befruchtet wurde, inzwischen kommen Züchtungen ohne sie aus. Der Milchsaft der Feigen mit seinen Protein-spaltenden Enzyme hat heutzutage beim Bierbrauen Bedeutung.
Danach sprach Dipl. Agrar.-Ing. Maria
Sansoni-Köchel, Inhaberin
des Gartenbetriebes "Flora Mediterranea" in Au / Hallertau, zur Pflege
von Bibelpflanzen, z.B. Schnitt, Düngung,
Schädlingsbekämpfung
und
Winterbehandlung. Sie ermutigte dazu, Bibelpflanzen im
Winter zu
gießen, weil Winterregen für die
Mittelmeerregion typisch ist. Außerdem gab sie auf
grundsätzliche Fragen kompetent Antwort
und erläuterte beispielsweise, warum unsere
Frosteinbrüche bis in den April für Zederm
problematisch sind: Zedern auf dem
Libanon sind konstante Frostperioden gewöhnt.

Am Samstagvormittag war auch Gelegenheit, sich in einer
großen
Gesprächsrunde über den Fortgang der Zusammenarbeit
auszutauschen.
Bezüglich der Webseite www.bibelgarten.info und des Forums
wurden
alle GärtnerInnen ermutigt, sich mit aktuellen Daten
(Terminen,
Adressen) sowie im Gesprächsforum einzubringen. Die
Tagungsteilnehmer äußerten die Bereitschaft zu
Spenden
für die Webseite.
Ein gemeinsames Faltblatt aller Bibelgärten mit
Träger und
Kontaktadressen ist eine bisher unerfüllte
"Schöninger
Forderung". Zwei Freiwillige übernahmen dankenswerterweise die
Aufgabe, Vorschläge zu Druck und Realisierbarkeit zu machen.
Der zweijährige Rhythmus für ein Treffen aller
Bibelgärtner soll beibehalten werden. Eine Einladung
für das
nächste Mal wurde von Frau Schindler-Herrmann und ihrem Team
für die Zeit vom 02.-04.07. 2010 in der Tagungsstätte
der
Badischen Landeskirche Schloss Beuggen bei Rheinfelden ausgesprochen.
Wir freuen uns darauf!
In Bezug auf Fortbildungsmöglichkeiten für
Bibelgärtenführer wurden verschiedene Modelle
diskutiert,
z.B. den zeitlichen Anschluß an die Bibelgartentagung sowie
die
regionale, halbregionale oder nationale Durchführung.
Ungeklärt bleibt weiterhin die Finanzierung.
Als Termine, die vorzumerken sind, stellen sich der Bremer Kirchentag
(27.-31.5.09), sowie perspektivisch der Ökumenische Kirchentag
in
München (2010) heraus, sowie die BuGas in Koblenz (2011) und
Hamburg (2013).
Besonders eingeladen wird zu einer Studien-Fahrt nach Neot Kedumin im
Jahr 2009 (3.-10. Mai), die durch den Bibelgarten und Reiseveranstalter
CV-Aktiv in Oberlichtenau organisiert wurde >>
www.bibelgarten.de.
Weitere Details zur Gesprächsrunde enthält das
Protokoll.

Mit Bussen fuhren wir auf einen kurzen Abstecher nach Österreich, zu Schloß Neuburg am Inn, bei dem neben der noch heute erhaltenen Mariensäule einst einen Kalvarienberg zu finden war. Graf Sinzendorf baute dort im 17. Jahrhundert eine katholische Landschaftsarchitektur. Ziel des Ausfluges war der Bibelgarten in Jägerwirth, wo bereits Getränke und ein erster Vorgeschmack auf das "Land, wo Milch und Honig fließen" warteten. Leider entwickelte sich das Wetter zunehmend stürmisch und regnerisch, so dass man nach den Führungen von Michaela Mendl und Prof. Dr. Hans Mendl durch den Moses-Bibelgarten in der Kirche am Platz Schutz suchte.

