"Im Land, wo Milch und
Honig
fließen" - Die Internationale Bibelgartentagung
vom 11.-13. Juli 2008 in Passau 
Etwa 80 Interessierte fanden sich im Tagungshaus Mariahilf zusammen, hoch über dem Inn in Passau gelegen, um sich über Bibelgärten auszutauschen. Gekommen waren sie von der Nord- und Ostseeküste, vom Rhein und aus dem Erzgebirge. Dabei waren erstmalig und erfreulicherweise auch Gärtner aus der Schweiz (Gossau) und Österreich (Salzburg, Bad Goisern, Tragwein).
Eröffnungsabend 
Die Tagung wurde am Freitagabend durch eine ausführliche
Begrüßungs- und Vorstellungsrunde der Teilnehmenden
eröffnet, die wegen Verspätungen im Zugverkehr und
schwierigen Straßenverhältnissen teilweise erst nach
und
nach eintrudelten.
Ein Bibelgarten stellte sich in Bild und Vortrag vor: Maria
Strickerschmidt erläuterte das theologische Konzept des
Bibelgarten in Werlte (Emsland/ Niedersachsen) mit seinem
Schöpfungs-, Wüsten-, Acker- und Paradiesviertel und
seiner
besonderen Zahlensymbolik.
Nach dem Abendessen wurde für die Tagungsteilnehmer im Hof des
Tagungshauses auf der "Seebühne" eine Bibelpantomime
aufgeführt. Der Theologe und Schauspieler Benedikt Anzeneder
spielte, begleitet von Posaunenchören, die
Schöpfungsgeschichte, die Stilllung des Sturmes, die Heilung
einer
gelähmten Frau und eine Kreuzabnahme-Szene. Das Publikum wurde
zeitweilig zu Arbeiten im Weinberg herangezogen und
übernahm
pantomimisch das Umgraben, Hacken und Rebenschneiden. Ein Gewitter
wartete respektvoll bis die Vorführung beendet war.
Fachreferate 
Am Samstag begann die Tagung nach der Andacht mit einem Fachreferat von Prof. Dr. Karl Knobloch (Institut für Botanik und Pharmazeutische Biologie, Gründer des Aromagartens in Erlangen) zu "Biblischer Nahrung". Er stellte wichtige Pflanzen wie Weizen, Ölbaum, Dattelpalme und Feige, die teilweise erstmalig im Fruchtbaren Halbmond kultiviert wurden, botanisch und kulturgeschichtlich vor. Eindrücklich war z.B. die Erläuterung der Feigenfrucht als "krugförmig ausgebildete, fleischig verdickte Blütenstands-Achsen, auf denen sich zahlreiche kleine, weibliche und männliche Steinfrüchte zu einem Verband angeordnet haben". Früher krabbelten Gallwespen in das Innere der Frucht, wodurch die Blüte befruchtet wurde, inzwischen kommen Züchtungen ohne sie aus. Der Milchsaft der Feigen mit seinen Protein-spaltenden Enzyme hat heutzutage beim Bierbrauen Bedeutung.
Danach sprach Dipl. Agrar.-Ing. Maria
Sansoni-Köchel, Inhaberin
des Gartenbetriebes "Flora Mediterranea" in Au / Hallertau, zur Pflege
von Bibelpflanzen, z.B. Schnitt, Düngung,
Schädlingsbekämpfung
und
Winterbehandlung. Sie ermutigte dazu, Bibelpflanzen im
Winter zu
gießen, weil Winterregen für die
Mittelmeerregion typisch ist. Außerdem gab sie auf
grundsätzliche Fragen kompetent Antwort
und erläuterte beispielsweise, warum unsere
Frosteinbrüche bis in den April für Zederm
problematisch sind: Zedern auf dem
Libanon sind konstante Frostperioden gewöhnt.
Ergebnisse für das Netzwerk
Bibelgärten 
Am Samstagvormittag war auch Gelegenheit, sich in einer
großen
Gesprächsrunde über den Fortgang der Zusammenarbeit
auszutauschen.
Bezüglich der Webseite www.bibelgarten.info und des Forums
wurden
alle GärtnerInnen ermutigt, sich mit aktuellen Daten
(Terminen,
Adressen) sowie im Gesprächsforum einzubringen. Die
Tagungsteilnehmer äußerten die Bereitschaft zu
Spenden
für die Webseite.
Ein gemeinsames Faltblatt aller Bibelgärten mit
Träger und
Kontaktadressen ist eine bisher unerfüllte
"Schöninger
Forderung". Zwei Freiwillige übernahmen dankenswerterweise die
Aufgabe, Vorschläge zu Druck und Realisierbarkeit zu machen.
Der zweijährige Rhythmus für ein Treffen aller
Bibelgärtner soll beibehalten werden. Eine Einladung
für das
nächste Mal wurde von Frau Schindler-Herrmann und ihrem Team
für die Zeit vom 02.-04.07. 2010 in der Tagungsstätte
der
Badischen Landeskirche Schloss Beuggen bei Rheinfelden ausgesprochen.
Wir freuen uns darauf!
In Bezug auf Fortbildungsmöglichkeiten für
Bibelgärtenführer wurden verschiedene Modelle
diskutiert,
z.B. den zeitlichen Anschluß an die Bibelgartentagung sowie
die
regionale, halbregionale oder nationale Durchführung.
Ungeklärt bleibt weiterhin die Finanzierung.
Als Termine, die vorzumerken sind, stellen sich der Bremer Kirchentag
(27.-31.5.09), sowie perspektivisch der Ökumenische Kirchentag
in
München (2010) heraus, sowie die BuGas in Koblenz (2011) und
Hamburg (2013).
Besonders eingeladen wird zu einer Studien-Fahrt nach Neot Kedumin im
Jahr 2009 (3.-10. Mai), die durch den Bibelgarten und Reiseveranstalter
CV-Aktiv in Oberlichtenau organisiert wurde >>
www.bibelgarten.de.
Weitere Details zur Gesprächsrunde enthält das
Protokoll.
Zu Gast im Moses-Bibelgarten in
Jägerwirth 
Mit Bussen fuhren wir auf einen kurzen Abstecher nach Österreich, zu Schloß Neuburg am Inn, bei dem neben der noch heute erhaltenen Mariensäule einst einen Kalvarienberg zu finden war. Graf Sinzendorf baute dort im 17. Jahrhundert eine katholische Landschaftsarchitektur. Ziel des Ausfluges war der Bibelgarten in Jägerwirth, wo bereits Getränke und ein erster Vorgeschmack auf das "Land, wo Milch und Honig fließen" warteten. Leider entwickelte sich das Wetter zunehmend stürmisch und regnerisch, so dass man nach den Führungen von Michaela Mendl und Prof. Dr. Hans Mendl durch den Moses-Bibelgarten in der Kirche am Platz Schutz suchte.
Kulturprogramm 
Um 18 Uhr begann hier ein Spektakel für Tagungsteilnehmer,
Sponsoren der Gartenkulturveranstaltungen und weitere Gäste,
bei
dem sich Musicalstücke, Grußworte und eine
Buchvorstellung
abwechselten. Circa 120 Menschen aus Jägerwirth wirkten bei
den
Musical-Kostproben mit. Für mich beeindruckend war:
Die ureigenen Jägerwirther
Moses-Musicalstücke
übertrafen die Joseph-Musicalstücke (immerhin von
Andrew
Lloyd Webber) noch musikalisch und theologisch. Prof. Dr. Hans Mendl
vom Lehrstuhl Katholische Religionspädagogik in Passau stellte
anschaulich ein Buchprojekt zum Jägerwirther Bibelgarten vor:
"Im
Land wo Milch und Honig fließen. Der Moses-Bibelgarten in
Jägerwirth". Es handelt sich um die erste
Buch-Publikation zu
Bibelgärten. Grußworte durch Vertreter der
Katholischen und
Evangelischen Kirche sowie Politik und Tourismus bildeten den Rahmen
des Programms. Ein
emotionaler Höhepunkt war das Schlußlied
"Großer Gott
wir loben dich", angestimmt aus den Kehlen von 50 Chorsängern
auf
der Bühne und 300 Gästen. Ein zweier folgte
jedoch
sofort: An seinen Platz bekam jeder einen
Teller mit Vorspeisen aus der Küche von Alois Wimmer und
seinem
Team von der Passauer Gastronomie-Berufsschule gereicht. Gaumenfreuden
wie "Gerauchtes Distelherz" bleiben gewiß unvergessen. Regen
und
Kälte konnten die gute Stimmung nicht trüben, mit der
sich
die Gäste um das orientalisch geprägte Haupt- und
Nachspeisenbuffet draußen bis weit nach Dunkelheitsanbruch
tummelten. Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst, gehalten durch Pater Dr. Bernhard Kirchgessner, bereichert durch einen Chor von Evangelischer und Katholischer Studierendengemeinde in Passau. Gegen halb 11 starteten zwei Gruppen zu Stadtführungen mit den engagierten und kompetenten Stadtführern Anneliese und Hilmar Hertel. Wir erfuhren einiges über die drittgrößte Orgel der Welt im Dom zu Passau und Gepflogenheiten des Lebens in einer mittelalterlichen Stadt (z.B. was es bedeutet "die Sau rauszulassen".) Das tat die Kleingruppe, mit der ich noch ein kleines Essen am Donauuferkai einnahm, jedoch selbstverständlich nicht.
Danksagung 
Wir waren uns
darüber einig,
dass die Tagung ein einmaliges Erlebnis war. Besonders zu
danken
ist hier dem Kurator für Gartenkunst Hermann Scheuer, der die
Tagung vor zwei Jahren übernommen und zusammen mit Dr.
Wilfried Hartleb und Susanne Weishäupl organisiert und
durchgeführt
hat.Danken möchte ich allen Teilnehmern für ihre Freigiebigkeit, was mitgebrachte Materialien anbelangte. In diesem Zusammenhang sei auch für kostenlose Probehefte gedankt: Dem Katholischen Bibelwerk für "Gartenträume" (Bibel heute 2 / 2008) und dem Magistrat der Stadt Linz für "Öko.L - Sonderheft Pflanzen der Bibel".
Katrin Stückrath
